Eine Frau setzt sich durch

Von TV Redakteur Mirko Blahak -  21.02.2011

Sie bezeichnet sich als "Exot" im Handballverband Rheinland. Die Hunsrückerin Jutta Holl trainiert in der Verbandsliga das Männerteam der SG Gösenroth/Laufersweiler. Eine ungewöhnliche Konstellation.
Als Handballspielerin hat Jutta Holl viel erlebt. Die ersten Gehversuche machte sie im heimischen Kirchberg, später war sie in der Regionalliga (Ingelheim), in der Rheinland-Auswahl und in der Bundesliga (Grün-Weiß Frankfurt) aktiv.


Bei der SG Gösenroth/Laufersweiler hören die Spieler auf das Kommando von Trainerin Jutta Holl (hier im Dialog mit Florian Hübner). TV-Foto: Hans Krämer

Ihre vielleicht größte Herausforderung trat die Hunsrückerin im Jahr 2003 an. Als Nachfolgerin von Igor Domaschenko wurde sie Trainerin der SG Gösenroth/Laufersweiler. Eine Frau als Kopf einer Männermannschaft - ein höchst seltenes Bild im leistungsorientierten Handball. "Ich habe dem damaligen und inzwischen leider verstorbenen Vorsitzenden Gerd Tatsch viel zu verdanken. Er musste im Verein Überzeugungsarbeit leisten. Nicht alle sahen in mir eine geeignete Nachfolgerin", erinnert sich Holl.

Auch sie musste erst ein paar Nächte darüber schlafen, obwohl sie bei ihrem Heimatclub HSV Kirchberg schon zwei Jahre Erfahrung als Trainerin eines Männerteams gesammelt hatte. Durchsetzungskraft hat die heute 50-Jährige schnell erlangt — auch weil die Gösenrother Spieler ihr den Start leicht gemacht hätten: "Die Jungs sind mir ohne Vorbehalte begegnet." Drei Jahre blieb Holl, ehe sie eine Pause einlegte. Nun ist sie im zweiten Jahr wieder am Ruder beim Verbandsliga-Tabellenführer, der am Wochenende die erste Saisonniederlage kassierte (siehe Extra).

Eine Frau setzt sich durch. Die nötige Autorität verschafft sich Holl mit Berechenbarkeit, Konsequenz und Handball-Sachverstand.

Die Angestellte bei der Verbandsgemeinde-Verwaltung Kirchberg hat auch schon Frauenteams trainiert — zum Beispiel in Mainz-Lerchenberg. Spaß mache das Traineramt bei beiden Geschlechtern. Doch es gebe Unterschiede in der Art, den Job auszuüben: "Männer tragen Konflikte offen aus, vergessen Ärger aber auch schnell. Frauen sind da nachtragender. Da muss man aufpassen, dass sie sich nicht drei Wochen lang den Ball nicht mehr zuwerfen."

Oft - vor allem von Frauen - wird Holl gefragt, ob die Männer auf sie hören. "Ja", sagt sie dann, auch wenn es manchmal schwer sei. Holl: "Ich habe keine so kräftige Stimme. Wenn es in einer Halle laut ist, kommen meine Anweisungen nicht immer direkt an. Ich muss mir die Spieler dann an die Seitenlinie holen."